Der größte Fehler im Off-Season-Training!

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Ich hoffe, dass ihr eure Offseason genießt, aber auch hart arbeitet, um für die kommende Saison fit zu werden. Im Sommer gibt es in der Regel viel zu tun: Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Technik - oft muss alles trainiert werden. Ich bin sicher, dass viele von euch viel trainieren, aber es gibt einen Fehler, den ihr hoffentlich in diesem Sommer vermeiden werdet: Qualitätstraining ins Quantitätstraining zu verwandeln. Ich sehe das oft bei Spielern und Trainern, und es lässt mich erschaudern.

Was ist "Qualitätstraining"? Für mich ist das Training, bei dem du eine wirklich schnelle, explosive Anstrengung brauchst, wie Springen, Sprinten, oder Medizinbälle werfen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Was ist "Quantitätstraining"? Das ist euer Krafttraining, (besonders am Anfang des Sommertrainings, wenn ihr viele Wiederholungen machen müsst um Kraftausdauer aufzubauen), sowie eure aerobe/lange anaerobe Konditionierung, in der eure Beine brennen und ihr für Luft schnappen müsst.

Was oft passiert: Qualität und Quantität werden miteinander verwechselt oder vermischt, und am Ende, verliert immer die Qualität. Viele Trainer sprechen darüber, wie sie wollen, dass ihr Team in der Off-season schneller wird, und arbeiten dann genau gegen dieses Ziel. Hier ist eine Liste des Wahnsinns, den ich während meiner Profikarriere als Spieler erlebt habe:

-27 Sätze von 5 Hürdensprüngen mit Olympischen Hürden, gefolgt von einem kurzen Sprint. Beim 25ten Satz landete einer unserer besten Spieler ungünstig, und es gab einen lauten Knall: Das war seine Achillessehne, die gerissen war. Das Ergebnis: OP, vier Monate Reha. Er war danach nie mehr derselbe Spieler.

- 14x100m "Sprints", für "Geschwindigkeit". Ich kann euch nur eins sagen: nach den ersten Sprints waren wir nicht mehr wirklich schnell.

- Ein 20 Minuten langer "Speed"-Parcours, bestehend aus Sprints, Koordinationsleiter und Mini-Hürden. Wir hatten etwa 5-10 Sekunden zwischen den Übungen. Wie willst du das 20 Minuten lang schnell machen???????

-280 Gesamtsprünge in einem Training. #knietot

Es gab viel mehr als nur diese vier Beispiele........

Die Trainer waren am Ende dieses Trainings immer sehr zufrieden, weil wir völlig ausgelaugt waren, und "trainiert hatten, um schneller zu werden". Meine Frage ist, wie zum Teufel sollten uns diese Trainingseinheiten schneller machen?

Lasst uns mal die Wissenschaft ein wenig vereinfachen. Obwohl ich kein Wissenschaftler oder Konditionstrainer bin, lese ich viele wissenschaftliche Artikel sowie Bücher von einigen der besten der Branche, wie Michael Boyle, Kevin Neeld und Mark Verstegen. Wenn ich schneller werden will, wäre es dann nicht sinnvoll, dass ich mich mit meiner absoluten Höchstgeschwindigkeit bewege, um schneller zu werden? Um mich mit meiner absoluten Höchstgeschwindigkeit zu bewegen, müssten meine Muskeln sich so stark anspannen, wie sie es nur können, oder? Und können sie sich so stark wie möglich anspannen, wenn sie müde sind oder "brennen"? Die gleiche Idee gilt für Übungen zur Explosivität im Fitnessstudio wie das Olympisches Gewichtheben, bzw. Variationen davon wie einarmiges Reißen oder Kettlebell Swings: eure Muskeln müssen aus allen Rohren feuern, um das Gewicht so schnell wie möglich in Bewegung zu bringen; sie können nicht erschöpft sein. Aus diesem Grund hasse ich es, Schnellkraftübungen in eine Zirkeltrainingsumgebung zu bringen: Die häufigste gewählte Dauer für eine Station in einem Zirkel beträgt etwa 30 Sekunden. Könnt ihr wirklich nach den ersten 10-15 Sekunden "explodieren"?

Wenn du schneller werden willst, dann musst du dich so schnell wie möglich bewegen. Wenn du müde bist, dann kannst du dich nicht so schnell wie möglich bewegen. Wenn du dich langsam bewegst, wirst du bestenfalls nicht schneller. Im schlimmsten Fall wirst du langsamer und verletzt. Langsam und verletzt, ist das Letzte, was man sein will.

Hier sind ein paar Richtlinien für euch für euer Training:

-In seinem Buch "Ultimate Hockey Training" empfiehlt Kevin Neeld 150-200m Gesamtdistanz beim Sprinten, mit vollständiger Erholung zwischen den Sprints. So zum Beispiel 4x10m, 4x20m, 2x30m und ihr seid fertig. Bitte keine 100m Sprints für die Geschwindigkeit machen; das ist eine olympische Disziplin, kein Eishockeytraining.

-In "New Functional Training for Sports" empfiehlt Michael Boyle etwa 25 Sprünge pro Training und 100 Sprünge pro Woche. Als war unsere 280-Sprung Workout nur ein kleines Bisschen zu viel…(Das Buch gibt es übrigens auch auf Deutsch- kann ich nur empfehlen)

-Macht zuerst immer die Schnellkraftübungen beim Krafttraining, bevor ihr zu den Kniebeugen, Klimmzügen, etc. übergeht.

-Macht immer den "Ausdauer"-teil des Trainings auf dem Sportplatz als letzte Übung. Qualitätsarbeit muss vor der Quantitätsarbeit geleistet werden. Und bewegt euch mehr in Richtung Intervalltraining für die Ausdauer und weg von langem, langsamem Jogging oder Spinningeinheiten.

Abgesehen von mangelndem Wissen denke ich, dass einer der Gründe, warum viele Trainer und Spieler immer noch falsch trainieren, wenn es um Geschwindigkeit und Explosivität geht, daran liegt, dass sie das Gefühl haben, dass "wenn es nicht brennt, dann arbeitet man nicht". Das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Einen 10m Sprint machen - das ist Vollgas, 100% Leistung. Einen explosiven Sprung, Wurf, oder Lift zu machen ist absolut harte Arbeit, auch wenn die Muskeln nicht brennen. Es gibt eine Zeit und einen Ort, wo man nach Luft schnappen muss, und die Beine sich nach Wackelpudding fühlen sollen- nur einfach nicht, wenn man auf Geschwindigkeit und Explosivität trainiert. Vergesst nicht- wir reden hier über Qualitätstraining.

Schnell zu sein ist so schwer - es dauert Jahre. Bitte vermasselt es nicht, indem ihr trainiert, langsam zu werden. Arbeitet diesen Sommer hart, aber auch schlau. Dann werdet ihr „fit“, UND schnell wieder aufs Eis kommen!

-MJ73