"Spielwitz" entwickeln. Geht das? Und vor allem wie?

"Spielwitz" entwickeln. Geht das? Und vor allem wie?

Gestern haben wir wie fast jeden Mittwoch mit meinem Kids Team ein bisschen 5 gegen 5 gespielt. Einmal in der Woche probieren wir für ca. 20 Minuten im Training das Spielen auf dem Großfeld aus.

Gestern haben wir wie fast jeden Mittwoch mit meinem Kids Team ein bisschen 5 gegen 5 gespielt. Einmal in der Woche probieren wir für ca. 20 Minuten im Training das Spielen auf dem Großfeld aus. Mal läuft es gut, mal weniger gut. Gestern war es nicht so prickelnd, aber na gut, ich spiele selbst auch mal schlecht!

Genauso wie ich die Spieler beim Skating oder Stickhandling korrigiere, korrigiere ich sie auch beim Spielen. Ich versuche aber darauf zu achten dass der Spielfluss nicht komplett kaputt geht, und sie trotzdem kreativ sein dürfen.

Ich wünsche mir schon, dass sie das Spiel besser verstehen würden, weiß aber auch, dass das ein langer Prozess ist, und dass man Geduld haben muss. Aber wir müssen daran arbeiten, im Stadion und Zuhause, und wenn ich "wir" sage, meine ich nicht nur meine Spieler und mich, sondern im Deutschen Eishockey allgemein. Wie arbeitet man nun daran? Es ist mit Sicherheit einfacher am Stickhandling zu arbeiten, aber ganz ehrlich, Spielwitz ist wichtiger. Hier, aus meiner Sicht, ein paar Wege wie wir den berühmten "Spielwitz" verbessern könnten:

  1. Eishockeyspiele anschauen.
    Viele. Und möglichst hochklassig. Nicht nur die Highlights oder die Top 10 der Woche, sondern komplette Spiele. Schauen, wenn ein NHL oder DEL Spiel im Fernseher kommt, beobachten wie sich mein Lieblingsspieler auf dem Eis mit und ohne Scheibe verhält, wie schauen sein Laufwege aus, usw. Wenn man in Kanada aufwächst, ist die NHL fast jeden Abend im Fernseher zu sehen. Man guckt zu, und am nächsten Tag versucht man im Training oder auf der Straße einiges umzusetzen, was man sich von den Großen abgeschaut hat. Ich glaube, ich habe sehr viel unterbewusst vom Zuschauen gelernt, und zwar nicht nur die coolern Moves sondern wie das Spiel "funktioniert". Freilaufen, Angreifen mit-/ohne Scheibe, wo "zockt" man und wo nicht, umschalten, Defensivverhalten (nicht "Taktik" oder "Systeme", sondern die Basics vom Spiel lesen)- vieles davon habe ich von meinen Idolen in der NHL gelernt. Nun in Deutschland ist Eishockey nicht jeden Abend dran, aber schon 1-2 Mal die Woche. Man kann davon so viel lernen, und ein Eishockeyspiel anzuschauen macht auch Spaß!

  2. Brett-/Puzzlespiele
    Ich würde wetten, dass die Spieler, die am Schnellsten den Zauberwürfel lösen können, oder beim Old-School Videoklassiker "Tetris" gut sind, oder einfach ihre Mitspieler beim "Mühle" oder "Vier Gewinnt" abzocken, auch den besten Spielwitz auf dem Eis besitzen. Ich denke, dass man durch solche Spiele, sein räumliches Vorstellungsvermögen verbessern kann, und somit automatisch auch seinen Spielwitz. Ich habe als ich jung war sehr viel Schach gespielt- ich kann nicht zu 100% beweisen, dass es mir auf dem Eis geholfen hat, aber geschadet hat es mir definitiv nicht.

  3. Überzahlsituationen trainieren.
    Und damit meine ich nicht ein 5-4 Powerplay mit irgendeinem System. Ich meine z.B. eine kleine 2-1 Übung in der Ecke oder ein 1-1 mit dem Trainer als "Joker". Ich denke, dass ein 2-1, zumindest für jüngere Spieler, besser wäre für den Spielwitz als ein 2-2 oder 3-3, weil letzteres öfters in mehrere 1-1 ausartet, und auch komplexer ist. Bei einem 2-1 im kleinem Raum, hat man ein paar klare Optionen, etwas Druck vom Gegner, aber trotzdem nicht so viele Möglichkeiten und Gegner, dass es gleich zu einem "System Overload" führt. Diese Gefahr besteht bei jungen Spielern, die gerade anfangen zu lernen wie man das Spiel liest. Je mehr sich das Spielverständnis entwickelt, desto mehr Gegner kann man einbauen.

    Und...meine letzte Idee- evtl. utopisch, aber wer weiß:

  4. Vereine im nahen Umkreis im Nachwuchsbereich sollten fusionieren.
    Nicht SGs, nicht Doppellizenzen, sondern einen Nachwuchsverein. Eine Führung.
    2-3 Eishallen zur Verfügung. A,B,C,D Mannschaften. Die Leistungsdichte innerhalb der Mannschaften/Ligen im Nachwuchsbereich in Deutschland ist enorm. Ich weiß, dass viele Vereine sich sehr um neue Kinder bemühen, das ist auch notwendig, aber trotzdem werden wir nie die Zahlen haben, wie in manch anderen Ländern.
    Werden die Teams von der Leistung her homogener, entwickelt sich der Spielwitz auch besser, weil man als guter Spieler nicht einfach alle durchzocken kann (und wenn man abspielt, verliert ein guter Mitspieler nicht so oft die Scheibe) und als schwächerer Spieler ist man nicht gleich überfordert und hat mehr Zeit Entscheidungen zu treffen.

    Als Beispiel für diesen Vorschlag, da ich in Landsberg bin:
    Landsberg-Buchloe. Nachwuchs. Ein Klub. Zwei Eisflächen. Mehr Flexibilität. Und fahrbar.

Wahrscheinlich utopisch aufgrund verschiedener Regeln, und der Tatsache, dass Vereine im engerem Umkreis häufig eher konkurrieren. Ich denke an die Kids!

So, das waren meine Vorschläge. Genug geschrieben, Zeit wieder zu arbeiten! Was meint ihr?